Nein, nicht die Hauptstadt von Bolivien! Aber wunderschön auf 4000 M.ü.M. in einem Gebirgskrater gelegen, ist die Stadt ein paar Tage Aufenthalt auf jeden Fall wert.
Wenn es nach den Reisehinweisen des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten, kurz (EDA), oder dem Lonely Planet geht, ist man bereits bei der Ankunft in dieser Stadt so gut wie tot. Seit ein österreichisches Paar, welches sich auf Weltreise befand hier vor über 10 Jahren ausgeraubt und ermordet wurde, gilt die Stadt erst recht als überaus gefährlich. Natürlich ist hier, wie überall der persönlichen Sicherheit grosse Aufmerksamkeit zu schenken, wenn man sich jedoch an die Spielregeln hält ist es hier nicht mehr oder weniger gefährlich als anderswo. Wir hatten aufgrund der Reise und Sicherheitshinweise betreffend Bolivien sowieso das Gefühl, dass das Land extrem kriminell sein muss, was aber überhaupt nicht der Fall ist. Wir können nicht einen negativen Punkt in dieser Hinsicht aufzählen. Das einzige was zu wünschen übrig lässt in Bolivien, ist das Internet und die Taxifahrer, aber die sind sowieso überall korrupt wo es Touristen gibt die man ausnehmen und übers Ohr hauen kann (es gibt auch hier sicher Ausnahmen wir wollen da niemandem an den Karren fahren!). Joli war ja schon in La Paz und kann bestätigen, dass sich in Bezug auf die Sicherheit viel verbessert hat. Die Polizei Präsenz ist viel grösser und zum Beispiel auch die Gegend um den Kili Kili Aussichtspunkt ist heute sicher.
Wir haben einen kurzen angenehmen Flug aus dem Dschungel hoch in die Berge hinter uns. Am Flughafen angekommen geniessen wir das angenehme milde Klima (eine richtig schöne Abkühlung nach den Tagen im Dschungel) und nehmen in der Abenddämmerung ein Taxi ins Zentrum. Die Fahrt dauert eine halbe Ewigkeit aufgrund des riesigen Verkehrsaufkommens aber der Blick von hoch oben in die Stadt runter ist sagenhaft. Wir haben ein wunderschönes und ruhiges Hostel im Zentrum erwischt und sind glücklich, dass es sogar über Heizkörper verfügt, welche auf Anfrage ins Zimmer gebracht werden.
Hexenmarkt
Leider fühlen wir uns am ersten Tag beide nicht besonders gut; Stichwort "Imodium". Auch die Höhe macht uns etwas zu schaffen und der Temperaturunterscheid von ca. 20 Grad macht sicher auch noch etwas aus. So beschränken wir uns auf die nähere Umgebung unseres Hostels. Nach dem Frühstück buchen wir in der Hotel eigenen Agentur eine private City Tour für den nächsten Tag. Gleich um die Ecke befindet sich zudem der Hexenmarkt, über welchen wir kurz schlendern. Bei diesen Marktständen und Läden gibt es haufenweise verschiedenste Kräuter und Salben zu kaufen. Das bizarrste sind aber die Lamaföten, welche für irgendwelche spirituellen Rituale verkauft werden. Auch gibt es wie überall haufenweise kunterbunte Kleider und Souvenirs zu kaufen.
Später am Nachmittag treffen wir uns mit Edwin (dem Chinesen, welchen wir im Refugio los Volcanes kennen gelernt haben), in einem Café in seinem Quartier. Leider ist fast alles geschlossen, da heute ein Feiertag ist und das Quartier hauptsächlich von den dort arbeitenden Leuten lebt. Ein Restaurant hat aber geöffnet und dort bieten sie, weil heute Feiertag ist, eine Spezialität an (irgendwas mit Schweinefleisch). Wir haben dort diese Spezialität gegessen und etwas geplaudert. Edwin stelle sich netterweise als Empfängeradresse für unsere neue Kamera zu Verfügung. Mal schauen wann das Packet ankommt. Die DHL Leute sind sich nicht so einig mit dem Datum.
City Tour
Heute steht unsere private City Tour auf dem Programm. In einem Taxi und mit unserem Guide machen wir uns auf den Weg quer durch die Stadt. Unser Guide Julio ist wirklich äusserst unterhaltsam und redselig. Zu Beginn der Tour besuchen wir die Plaza wo rundherum die Regierungsgebäude stehen und wo uns Julio die Geschichte von La Paz und Bolivien etwas näher erklärt. Danach fahren wir mit einer der gesamthaft sieben verschiedenen Gondelbahnlinien über die Dächer der Stadt. Julio plappert dabei wie ein Wasserfall und wir diskutieren mit ihm über Politik und das Leben in Bolivien. Die teilweise auch privaten Geschichten und Erfahrungen von welchen uns Julio erzählt sind zum Teil haarsträubend.
Die Geschichten drehen sich hauptsächlich um Korruption, welche weder vor der Polizei noch vor der Politik Halt macht. Sichtlich betroffen schildert uns Julio seine Erfahrungen in seinem Land. Einige Beispiele hierfür sind die plötzliche Verdopplung der Steuern sowie der Bau eines 450 Millionen teuren Präsidenten Hochhauses mitten in der Stadt obwohl der alte Präsidentensitz direkt daneben steht. Der sozialistische Präsident hilft zwar den armen Menschen im Land, tut dies jedoch auf Kosten aller, welche auch nur halbwegs genug verdienen um ihren eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren, indem horrende Steuern auf den Einkommen zu bezahlen sind. Scheinbar kosten auch seine Anzüge ein Vermögen und er nimmt auch für kurze Strecken lieber den Helikopter als eines der 15 gepanzerten Autos, welche vor dem Regierungsgebäude stehen, so Julio.
Im Zentrum von La Paz sind die Strassen gesäumt mit kleinen Marktständen. Es gibt mehr Verkäufer als Käufer auf diesem Markt, trotzdem gehören die Besitzer zu den Gutverdienern. Warum? Die Strassenverkäufer in La Paz, welche ihre Ware täglich auf der Strasse anbieten und den Platz von Generation zu Generation weiter geben, zahlen keine Steuern, solange ihr Einkommen unter einem gewissen Betrag liegt. Einige von Ihnen verdienen aber teilweise horrende Summen, welche sie jedoch nicht bei der Bank lagern sondern zu Hause, umso den Steuern zu entgehen.
Auffallend ist auch das sich fast alle Häuser ausserhalb des Zentrum in halbfertigem Zustand befinden. Die Menschen umgehen hier gezielt das Gesetz. Solange ein Haus nicht fertiggestellt ist, muss der Besitzer auch keine Steuern bezahlen. Das gilt auch wenn alles fertig ist bis auf die Fassade. Deshalb sieht man in La Paz und generell in Bolivien so viele Backsteinhäuser.
Nach der Führung durchs Zentrum, besuchen wir ein weiteres Mal ein "Valle de la Luna" - Mond Tal, doch zu vergleichen sind diese Täler keinesfalls. Dieses hier besticht durch die absolute Stille, welche durch die Steinformationen entsteht. Nach dem Grossstadtlärm ist es hier, nur etwa 10 Minuten ausserhalb des Stadtzentrums, gespenstisch still und das obwohl die Stadt praktisch rundherum gebaut wurde.
Von hier aus nehmen wir eine weitere Seilbahn, welche uns zurück ins Zentrum bringt.
Der Abschluss der Halbtages Tour bildete der Besuch des zentralen Marktes, ganz in der Nähe unseres Hostels. Mit haufenweise Infos im Kopf, einer klaren Idee von Julios politischer Einstellung
und Hunger machen wir uns auf den Weg in ein ziemlich cooles English Pub, um uns den Champions League Halbfinal Liverpool : AS Rom bei einem lecker Bierschen und Chicken Wings
anzuschauen.
Gondelbahn Fahren
Der dritte Tag steht ganz im Zeichen der Teleférico's, so werden die Seilbahnen in Südamerika genannt. Uns gefielen die beiden Fahrten auf der gestrigen Tour so gut, das wir beschlossen sämtliche möglichen Strecken abzufahren. Auch für uns als Schweizer sind die Fahrten hier quer durch die Hochhäuser und hoch über der Stadt und den Hügeln ein super Erlebnis. Leider sind zwei Strecken aufgrund Instandhaltung geschlossen. Aber wir haben auch so jede Menge Fun und fühlen uns wie im Europapark, so wie wir von einer Gondel zur nächsten rennen und uns wie kleine Kinder freuen wenn wir ein Gondeli für uns alleine haben.
Die Gondelbahnen kommen übrigens aus der Schweiz und Österreich. Das gesamte Gondelbahnnetz wurde in den vergangenen drei Jahren aufgebaut (das erklärt, weshalb Joli nicht verstehen kann wie sie dieses Erlebnis bei ihrem ersten Besuch im Jahr 2013 verpassen konnte) und erstreckt sich über 40 Kilometer. Das Netz wird immer noch ausgebaut und in «Kürze» wird es so sein, dass alle Linien verbunden sind und eine komplette Rundfahrt möglich ist. Die einzelnen Linien und Gondeln sind farblich gekennzeichnet und die Fahrt pro Linie kostet 45 Rappen pro Person.
Cholitas Wrestling
Am späten Nachmittag werden wir dann mit einem Bus vor unserem Hostel abgeholt. Die Logistik ist wiedermal eine Katastrophe und Beni schüttelt ununterbrochen den Kopf. Statt ein Bus kommt jemand vorbei, holt uns ab und bringt uns an eine Strassenecke zum Warten. Fünf Minuten später müssen wir an eine andere Ecke und hier sollen wir auf einen gelben Bus warten. Endlich im Bus befinden wir uns eine Stunde später nur etwa fünf Minuten von unserem Hostel entfernt und suchen und laden immer noch Leute ein. Dann gibt es auch noch einen Pinkel - und Bierkauf - Stopp beim letzten Hostel.
Irgendwann fahren wir dann doch noch hoch in den Bezirk "El Alto". Dieser Stadtteil, in welchem sich auch der Flughafen befindet, gilt als gefährlichster Teil der Stadt. Aus diesem Grund beschlossen wir ja auch eine geführte Tour zum Cholitas Wrestling zu machen. Cholitas ist der Name der indigenen Frauen, welche sich nach wie vor in sehr traditioneller Kleidung kleiden. Spezielle Merkmale sind die schwarzen Hüte, die langen Röcke, welche etliche Schichten haben und der Goldschmuck. Hier in La Paz kann man eben diesen Cholitas beim Wrestling zusehen. Das Cholitas Wrestling entstand, weil die Frauen den Männern zeigen wollten, dass auch sie stark sind und so gegen die Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen aufbegehrten. Es gab scheinbar Zeiten da war es völlig normal eine Frau einfach so umzubringen – diese sind jedoch zum Glück vorbei aber das Wrestling blieb zur Unterhaltung der Einwohner und Touristen bestehen.
In der Sporthalle angekommen holen wir uns die gratis Snacks und Getränke und nehmen auf der Tribüne Platz. Direkt um den Ring sind die besten Plätze sollte man meinen und die sind auch exklusiv für die Touristen reserviert aber wir entscheiden uns trotzdem für die Tribüne damit wir alles im Blick haben. Man sagte uns nämlich wir dürfen uns auch auf die Tribüne zu den Einheimischen setzen aber ausser etlichen Touristen lassen sich hier heute keine anderen Leute blicken. Vielleicht liegt es daran, dass Donnerstag ist und das Wrestling früher nur einmal wöchentlich am Sonntag stattfand oder wir sind gar nicht am offiziellen resp. ursprünglichen Austragung Ort, denn auch die Fahrt zu El Alto dauerte nur ca. 10 Minuten, nachdem endlich alle im Bus sassen. Wir sind etwas enttäuscht, denn die johlenden und grölenden Bolivianer haben gemäss Erzählungen einen Grossteil des Spasses ausgemacht.
Dann gehts los! Mit lauter Musik und dem Krach und Geschrei des Kommentators, der aus dem Lautsprechern dröhnt, betreten zuerst die männlichen Wrestler den Ring. Die Vorstellung der Männer ist aber doch sehr bescheiden um nicht zu sagen peinlich schlecht - das kann hoffentlich nur noch besser werden.
Jetzt kommen die Cholitas. Vor dem Betreten des Rings wird tanzend und johlend eine Show abgezogen und die Frauen präsentieren sich dem Publikum. Dann werden die Schals, Hüte und der Schmuck ausgezogen und los geht’s. Die Jüngste Wrestlerin ist 15 Jahre alt und die älteste bereits 40. Das Ganze ist so doof das es bereits wieder unterhaltsam ist. Am Anfang denken wir nur so: «Oh mein Gott wie viel haben wir dafür nochmal bezahlt?!» Aber die Ladys haben einiges auf dem Kasten. Nach ein paar Aufwärmschlägen und Schubsern geht es ziemlich zur Sache.
Es gibt drei Kämpfe und irgendwann durchschaut man die Show. Zuerst wird die jüngere Wrestlerin heftig in die Mangel genommen und auch der Schiedsrichter ist extrem parteiisch und greift immer zugunsten der älteren Wrestlerin ein, wenn die Jüngere die Oberhand gewinnt. Dann dreht das Ganze und die Jüngere vermöbelt nicht nur die Ältere sondern auch den Schiedsrichter. Nach den Kämpfen darf man auch noch den Ring betreten und Fotos mit den Cholitas machen. Alles in allem war es ein lustiger und unterhaltsamer Abend auch wenn es nur noch eine pure Touristenattraktion ist.
Der grosse Tag
Heute ist der grosse Tag gekommen: die Übergabe unseres Pakets aus der Schweiz. We’re sooo excited *sing*. Da Edwin aber arbeiten muss haben wir noch viel Zeit bis zum Abend. Wir gehen am Morgen zur Klinik Lausanne, da Joli neu nicht nur und immer noch an ihrem Husten, sondern auch an starken Ohrenschmerzen leidet. Die Untersuchung ist wie beim letzten Mal eher dürftig. Fiebermessen, Sauerstoffgehalt messen und ins Ohr gucken, dies mit Hilfe dieses Ohrguckgeräts (keine Ahnung wie die Dinger heissen) und der Taschenlampe eines IPhones… Dann wird (auch wie üblich) ein Antibiotika verschrieben, dazu ein Entzündungshemmer und mit der Bemerkung, dass es vielleicht auch gegen den Husten hilft, ist die Behandlung zu Ende.
Als wir bezahlen wollen (30 CHF!!! Beim letzten Mal bezahlten wir 4.50 in einem Spital Notfall) bemerken wir, dass wir gar kein Geld haben. Resp. unser Plan war die argentinischen Pesos zuerst zu wechseln (Joli hat diese noch in einem Fach im Rucksack gefunden) und dann zur Klinik zu fahren, nur leider haben wir das irgendwie vergessen und haben jetzt keine Bolivianos und auch keine Kreditkarte dabei.
Joli lässt Beni als Pfand in der Klinik zurück und geht mit einem Uber Taxi ins nächste Quartier zum Geld wechseln. Der Kurs ist eine Katastrophe aber leider haben wir keine Wahl. Zurück zur Klinik, bezahlen, Beni mitnehmen und dann gehen wir via Gondeli alles zurück zu unserem Hostal wo wir noch etwas chillen und die Heizung voll aufdrehen bevor wir uns mit Edwin treffen.
Dieses Mal hat Edwins Lieblings Café geöffnet und wir bestellen auf seinen Rat hin einen Cold Brew (kalter Kaffee, welcher am Vortag gebraut wurde) und je ein Stück Kuchen. Joli hat den Empfang des Pakets und vor allem das Auspacken richtig zelebriert. Wir wollen Edwin zum Dank eine Tafel des Bärner Bären Schoggis schenken aber er will nicht. Wir wollen ihn einladen aber er will nicht. Da geht Joli zur Kasse und kauft ihm einen Gutschein, da er in diesem Kaffee oft frühstückt. Edwin bedankt sich und braucht den Gutschein gleich um uns einzuladen – es ist nicht einfach sich bei einem Chinesen zu bedanken und der Kellner schüttelt dazu auch noch entrüstet den Kopf, hat er den Gutschein doch 5 Minuten vorher erst ausgestellt und jetzt bekommt er ihn schon zurück… Gringos locos! Wir können ihn verstehen. Wir haben alles versucht um uns irgendwie zu bedanken aber Edwin hat das scheinbar sehr gerne für uns gemacht.
Da wir für den Rückweg wieder die Gondelis nehmen wollen um auch noch bei Nacht über der Stadt zu schweben, trifft Joli einige Antidiebstahl Vorkehrungen. Wäre ja ein Jammer, wenn nach all dem Aufwand die Kamera auf dem Rückweg geklaut wird. Joli hat sich bei der Kleiderwahl heute etwas überlegt. Sie stopft den Kamerabody in ihre enge Leggins und lässt das luftige Kleid darüber fallen. Auch das Handy und das Geld werden in die Leggins gestopft und mit dem Kleid getarnt. Beni schleppt das leere Packet unter dem Arm mit – als Ablenkung wie er meint und Edwin lacht sich schlapp und meint: «Ihr wisst ja jetzt wo ich wohne und wie es funktioniert ihr könnt sie einfach noch mal senden wenn sie geklaut wird!»
Sie wurde nicht geklaut und wir sind sicher im Hostel angekommen und das obwohl dass eine Gondeli (bevor wir drin sassen) noch eine Panne hatte und eine Weile still stand.
Danke Brigitta Hegetschweiler für den Versand und Edwin für den Empfang unserer wertvollen Fracht.
Fondue
Jaaaa wir sind immer noch hier aber wir sind so faul im Moment, dass könnt ihr euch nicht vorstellen. Heute machen wir auch nichts mehr sondern schlafen den ganzen Tag und hängen im Zimmer und in einem Café (Berna Cafe) rum. Um unseren La Paz Aufenthalt zu krönen, gehen wir am Abend aber noch speziell Essen. Im Restaurant Swissfondue geniessen wir bei einem Glas super Weisswein ein extrem leckeres Fondue auf über 4000 M.ü.M. Das Fondue kann absolut mit einem guten Fondue zu Hause mithalten und es ist sogar noch einen Hauch günstiger als zu Hause.























































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