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4x4 Jeep Tour nach Bolivien I

Die Grenzen

Flamingo Travel soll es sein. Wir haben einige Agenturbüros besucht, welche alle nicht schlecht waren aber bei diesem Anbieter fühlten wir uns am besten aufgehoben. Da Mööööni auch so gerne Flamingos hat, trifft sich das ja bestens und unterstützt unsere Entscheidung.

 

Diese drei Tage dauernde Tour führt uns nach Uyuni in Bolivien. Dazwischen warten natürlich einige Sehenswürdigkeiten, welche diese Fahrt über die Anden zu bieten hat. Viel zu früh am Morgen werden wir abgeholt und mit 13 anderen Personen werden wir in 45 Minuten zur chilenischen Grenze gebracht - theoretisch. Denn wir sind nur etwa drei Kilometer aus San Pedro raus, da treffen wir auf einen Stau mit etwa 30 anderen Tourenanbietern, Lastwagen und Autos, welche vor einer Strassensperre stehen. Die Polizei hat die Strasse gesperrt. Anscheinend soll es oben an der Grenze geschneit haben. Die rund 1.5 Stunden Warten werden mit dem vorgezogenen Frühstück überbrückt. Als die Sperre aufgehoben wird, geht das Wettrennen unter den Minibussen los, jeder möchte ja der erste an der Grenze sein um weitere Wartezeiten zu vermeiden. Immer drei Minibusse gleichzeitig können in das Grenzgebäude reinfahren, dann schliesst sich das Tor wieder und man wartet bis die ganzen Stempel in die Pässe geklatscht wurden. Unser Bus ist der zweitletzte. Wir wurden während der Fahrt X-Mal überholt und das kleine Gefährt kam kaum den Pass hoch. Naja irgendwann waren auch wir dran und passierten die Grenze. Chao Chile!

 

Wo die chilenische Grenze noch wie eine solche aussieht, ist die bolivianische nur noch ein Hütte irgendwo im Nirgendwo, wo man sich seinen Stempel im Pass holt. In der Regel bekommt man nur 30 Tage und muss die gratis Verlängerung dann auf irgend einem Konsulat machen lassen. Als wir gefragt werden wie lange wir in Bolivien bleiben haben wir mal etwas gepokert: «6 – 8 semanas…?!?» Päng wird auch der Stempel mit «90 dias» über den Einreisestempel geklatscht. Super. Etwas weniger worum wir uns kümmern müssen.

 

Dann werden wir auf die drei letzten Jeeps unserer Agentur (welche mittlerweile von Flamingo Travel auf Turismo Caur resp.  Expediciones Sajama gewechselt hatte) aufgeteilt. Eigentlich wurde den beiden Deutschen gesagt, dass sie das Auto mit einem Schweizer Pärchen teilen werden aber irgendwie haben sie dann wohl alles neu gemixt und etwas nach Alter eingeteilt. Die drei jungen zweier Paare werden in ein Auto gesteckt (die beiden deutschen Jungs sowie ein chilenisches und brasilianisches Pärchen) und wir teilen unseren Jeep mit einer portugiesischen Familie. Insofern Glück gehabt, da wir nur zu 5 statt zu 6 im  Auto sitzen. Die französische Familie geht zusammen mit einem Italiener in das dritte Auto. Eine bunt gemixte Truppe. 

 

Laguna Blanca & Verde

Dann gehts endlich richtig los, unser Abenteuer beginnt. Wir düsen nur etwa 10 Minuten durch die Wüste zum Eingang des Parks wo wir erstmal die Gebühren zahlen. Dann geht es aber ab zur weissen Lagune, zum unserem ersten Fotostopp. Als wir wieder zurück beim Jeep sind, ist etwas mit dem Fahrersitz nicht in Ordnung. Er ist komplett nach hinten abgelegt, perfekt zum Schlafen aber gar nicht optimal zum Fahren. Und dank der modernen Technik hat der Sitz natürlich keinen manuellen Hebel mehr sondern nur Elektronik, welche leider nicht mehr funktioniert. Die erste Panne zieht sich etwa 30 Minuten hin, dann wird aufgegeben, der Sitz lässt sich nicht mehr aufrichten. Der Sohn der Familie wechselt in einen anderen Jeep und weiter gehts. Zwei Personen ganz hinten – wo vorhin knapp das Kind bequem sitzen konnte, einer in der Mitte und einer vorne. 5 Minuten weiter, an der grünen Lagune wird er es reparieren meint Cesar unser Fahrer.

 

Die Lagunen sind wunderschön und die Berge und der blaue Himmel bilden einen wunderschönen Kontrast. Die Farbe der Lagunen kommt von Mineralien, wobei die grüne Lagune aufgrund des vielen Kupfers toxisch ist. Wir sind noch keine 30 Minuten unterwegs da, wirft unser Fahrer dauernd einen Blick nach hinten aus dem Fenster und stellt die Musik leiser um zu lauschen. Danach fährt er rechts ran (sofern man das hier bei eigentlich nicht vorhandenen Strassen überhaupt so sagen kann), macht die Tür auf und da hört man es auch schon aus dem linken Hinterrad zischen. Gibts doch gar nicht! Die ganze Gruppe nimmt dies jedoch mit Humor zur Kenntnis (noch…) und schaut sich derweilen die Felsen in der Wüste Dalí an. Wir überlegen uns jedoch bereits ob wir die Velofahrerin anhalten sollen, die gerade an uns vorbei düst. Wir witzeln noch, dass sie sicher schneller in Uyuni ist als wir. Mit etwas Klopapier wird etwas am Reifen gekleistert und mit der Velopumpe wird das Rad ein wenig aufgepumpt und weiter gehts – der Sitz ist immer noch in Liegestuhlposition und blockiert einen Sitzplatz. 

 

Aguas Termales de Polques

Egal ab zu den heissen Quellen, wo sich Joli ein Bad im 36 Grad warmen Wasser gönnt. Die Aussicht ist phänomenal. Die Fahrer der drei Autos werkeln derweil an unserem Auto rum. Noch etwas gebastelt hier und da, mal am Rad, mal am Sitz. Darüber hinaus vergisst Cesar fast, dass er für uns ja noch kochen sollte. Die andere Gruppe hat bereits gegessen, während wir zwar vor zwei Flaschen kühlen Getränken sitzen aber keine Gläser und kein Essen in Sicht ist. Dann kommt es doch noch unser Futter. Stocki mit einem Gemüsepoulet Eintopf und Salat wird serviert. Gestärkt und guten Mutes geht es zurück zum Auto. Dort wird mittlerweile doch noch der Reifen gewechselt. Das dritte Auto ist bereits weiter aber das Auto mit der Familie und dem Italiener wartet auf uns – schliesslich haben sie ja noch einen aus unserer Gruppe in ihrem Auto.

 

 

 

Geysir Sol de la Mañana

Wir sind weit hinten und die letzten in der ganzen Karavane aller Touren. Aber jetzt geht es weiter auf 5000 Meter zu den Geysiren. Ein riesiges Feld voller blubbernden und qualmenden Löchern. Es qualmt, blubbert und stinkt was das Zeug hält aber es ist atemberaubend (wortwörtlich) schön! Immer schön vorsichtig zwischen den Löchern herum zirkeln, denn hier will man nicht reinfallen. Einige Löcher qualmen nur, in anderen blubbert Wasser oder Schlamm wild vor sich hin. Der Aufenthalt ist schnell vorbei, aber es ist auch nicht so wahnsinnig warm hier und es windet ziemlich stark. Zudem sind wir froh, dass wir nach den paar Metern zu Fuss auf 5000 Metern wieder «gemütlich» sitzen können denn uns geht schon die Puste aus.

 

LAguna Colorada

Der letzte Halt für heute ist die Laguna Colorada (die farbige Lagune). Dort angekommen heisst es tief durchatmen. Wir sind immer noch hoch oben und es windet wie gestört. Der starke Wind hindert einem am vorwärtskommen und schnappt einem zudem noch das letzte bisschen Puste weg, das man noch hat. Aber der kurze Panoramarundweg gehört mit zu den Schönsten, welche wir je sahen. Das leuchtend rote Wasser mit den kleinen Weissen Inseln, im Vordergrund das grün bewachsene Ufer und im Hintergrund die Berge mit dem knallblauen Himmel - einfach der Wahnsinn. Unzählige Flamingos tummeln sich im Wasser und wenn man den Hügel und die Panoramasicht verlassen hat und unten am Ufer entlang geht (wo es zum Glück nicht mehr so sehr windet) kommt man schön nah an die Tiere ran. Beeindruckend. Wir halten uns entsprechend auch nicht an die vorgegebene halbe Stunde. Aber Cesar kann ruhig auch mal auf uns warten, wir haben schliesslich den ganzen Tag immer wieder auf ihn uns sein super Auto warten müssen. Wir haben uns einfach an die Fersen des Franzosen und Italieners geheftet, welche ja im anderen Auto sitzen, welches immer mit uns mitfuhr.

 

Zurück beim Auto verschwindet gerade die Sonne hinter einer dicken Wolke und es wird rasch kalt. Schon von weiten sehen wir 5 Männer um und unter einem Auto – Nein! Nicht schon wieder oder? Uff – es ist nicht unser Auto aber unser Partner Auto – die Bremsen… Wir fahren weiter. Es dauert jetzt noch zwei Stunden bis zum Hostel. Langsam wird es dunkel und Cesar macht keine Anstalten das Licht einzuschalten. Wahrscheinlich hat das Auto kein Licht – witzeln wir. Aber hei immerhin leuchtet das Toyota Zeichen vorne auf der Haube in grün, rot und blau. Mittlerweile sind wir alle erschöpft und klagen über leichte Kopfschmerzen. Nun wie sollte es auch anders sein, nach 30 Minuten hält unser Fahrer wieder einmal an. Da war doch noch was, Cesar steigt aus und sogleich gleich wieder ein, sagt aber nichts. Wir haken nach: Cesar que pasó? Mit leiser Stimme meint er wir müssen auf das andere Auto warten (das mit den kaputten Bremsen), das Rad muss gewechselt werden.

 

Die Dämmerung ist nun definitiv hereingebrochen und draussen wird es bitterkalt und windig. Mit Hilfe des anderen Fahrer wird der Wagen angehoben, mitten in der Wüste, auf Sand. Dreimal rutscht der Wagenheber unten Weg, zum Glück hat Cesar das defekte Rad gesichert – d.h. eine Radschraube liess er sicherheitshalber noch lose drauf – so dass der Wagen nicht auf die Seite kippte. Die beiden Herren haben dann doch auf unseren Rat gehört und das defekte Rad oben auf dem Dach zur Sicherheit unter das Auto gelegt – wir wollen ja nicht auch noch ein gekipptes Auto wieder aufrichten.

 

Wir haben schon fast nicht mehr dran geglaubt aber mit vereinten Kräften wird das Rad doch noch gewechselt. Am Rande bemerkt: das Ersatzrad hat noch weniger Profil als das defekte. Die letzte Stunde ging es dann endlich in etwas tiefere Lagen. Beni hat mittlerweile starke  Kopfschmerzen. Wir haben sogar Licht am Auto (nebst dem leuchtenden Toyota Zeichen), allerdings nur auf einer Seite, weshalb uns das andere Auto bald schon überholt und voraus fährt – zum Zünden dachten wir aber es war wohl eher weil Cesar langsam fuhr (aufgrund des fehlenden Lichts und der somit schlechten Sichtverhältnisse), denn schon bald war es ausser Sicht. Während es runter geht, versagen auch noch die Bremsen, so das Cesar mit der Automatik und den Gängen bremsen muss. Ausserdem leuchtet seit geraumer Zeit das rote Öllämpchen und ein paar andere Lämpchen - aber who cares?!

 

Etwas Gutes hat es zu so später Stunde noch unterwegs zu sein. Während wir in voller Lautstärke «Is Everbody Happy» von David Hasselhoff hören, geht der Vollmond als riesige Kugel neben uns über den Hügeln auf und verwandelt die Umgebung in eine bizarre, wunderschöne Landschaft. Der silbrig glänzende Fluss schlängelt sich durch ein schönes Tal und gibt der ganzen Fahrt doch noch das gewisse Etwas. Um 21:00 sind wir als letzter Jeep in unserem Hostel. Irgendwie hat uns die Agentur statt ein Mehrbettzimmer mit geteiltem Bad, ein Doppelzimmer mit eigenem Bader reserviert (zu einem Aufpreis, welcher uns nach diesem Tag gar nicht mehr stört) und so können wir noch eine warme Dusche im eiskalten Zimmer nehmen, bevor wir dann zum Abendessen gerufen werden. Suppe und kalte Spaghetti mit übler Tomatensosse - Andrea der Italiener hätte heulen können! Dick eingepackt gehen wir um ca. 23 Uhr ins Bett.

 

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