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San Pedro de Atacama

Am Tag brütend heiss, in der Nacht bitterkalt. Mitten in Wüste befindet sich diese kleine Oase mit mehr Touristen als Einwohnern. Mit einer jährlichen Niederschlagsmenge von 0,5 mm ist dies die trockenste Wüste der Welt. Ungefähr 10 – 15 mm Niederschlag gibt es jährlich in San Pedro, wobei ab 25 mm hier der Notstand ausgerufen wird, da das Wasser aufgrund des trockenen Bodens nirgends versickern kann. Diese Erfahrung machte Joli bereits bei ihrer ersten Reise nach San Pedro, da stand ihr Hotelzimmer innert Minuten unter Wasser, den auch die Dächer sind nicht auf Regen eingestellt.

 

Hier dreht sich alles um die verschiedenen Touren zu Lagunen, bizarren Felsformationen, Geysiren und dem Salar de Uyuni in Bolivien, welche die unzähligen Anbieter verkaufen wollen. Als wir nachmittags um drei am Busbahnhof eintrafen, machten wir uns auf die Suche nach unserer Unterkunft. Durchgeschwitzt und nach 20 Minuten suchen fanden wir den Eingang zu unserer Bleibe in einem Supermarkt (wir mussten uns dafür aber zuerst das Wifi eines anderen Hostals ausleihen um der Gastgeberin eine Nachricht zu senden, denn anders hätten wir die Unterkunft nicht gefunden). Schnell das Gepäck abgeladen und sogleich raus auf die Strasse, die möglichen Touren abchecken. Wo wir uns in Calama noch wie "The English Man in New York" vorkamen, sind die Strassen hier voll mit Touristen jeglicher Art und Herkunft. Von den Safari-Outfit-Pensionären über die Asiaten, welche sich die Sonnencreme zentimeterdick ins Gesicht schmieren (sieht witzig aus die weissen Gesichter) bis hin zu den klassischen Hippies (Joli sagt: das sind Reisende, nicht Hippies) kommt hier alles zusammen. Wir brauchten etwa 3 Stunden bis wir uns einen groben Überblick zu Touren und Preisen gemacht hatten. Besonders bei der drei tägigen Jeep Tour über die Anden nach Bolivien, zum Salar de Uyuni, will es wohl überlegt sein auf welchen Anbieter man vertraut. Bei unserer Internet Recherche haben wir alles Mögliche gelesen, von klapprigen defekten Jeeps mit Pannen und stundenlangem Warten auf Hilfe, bis hin zu Touren bei welchen die Fahrer am Morgen nach der ersten Nacht sturzbetrunken am Steuer sassen oder gar zu betrunken waren um noch selbst zu fahren so das Touristen sich ans Lenkrad setzen mussten. Nicht zu unterschätzen ist auch die Höhe zwischen 3000 und 5000 Metern über Meer, in welcher man sich permanent befindet und die damit verbundene mögliche Höhenkrankheit. Diese soll sich mit Symptomen wie Atemnot, üblen Kopfschmerzen und Erbrechen bereits ab etwa 2500 Meter bemerkbar machen. Wir werden sehen wie unsere Körper darauf reagieren werden.

 

Die Wüste in Chile bietet über 300 wolkenlose Nächte pro Jahr, zudem ist sie frei von Smog wodurch es hier den klarsten Sternenhimmel der Welt zu sehen gibt. Die Astrologie ist hier mit den grössten und besten Teleskopen der Welt stationiert. Klar wollten wir hier auch mal nachts in den Himmel schauen. Wie es aber der Zufall wollte, fand in der Nacht vor unserer Ankunft die letzte Astrotour statt, denn der Vollmond hat sich angemeldet. Welch ein Pech, zudem hatten wir auch noch ausschliesslich bewölkte Nächte erwischt. Es gab zwar auch Vollmond Touren, bei welchen man mit Teleskopen den Mond begutachten und fotografieren konnte aber einen leuchtenden Sternenhimmel kann das nicht ersetzen.

Valle de la Muerte & Valle de la Luna

Wir entschieden uns es am zweiten Tag ruhig anzugehen, da wir uns immer noch entscheiden mussten bei welchen Anbieter wir die Uyuni Tour buchen wollten und somit noch etwas recherchieren mussten.

San Pedro befindet sich in einer Höhe von 2500 Metern über Meer. Bereits hier waren bei uns leichte Kopfschmerzen und etwas Kurzatmigkeit zu vermelden. Daher buchten wir für den Nachmittag einen gemütlichen Spaziergang durch das Tal des Todes mit anschliessender Fahrt zum Tal des Mondes, bei welchem wir den Sonnenuntergang sehen würden. Dick eingecremt mit Sonnencreme und eingedeckt mit genügend Wasser stiegen wir nachmittags bei brütender Hitze in den Minibus mit 13 anderen Personen. Bereits einige Minuten nach Abfahrt zogen aus dem nichts dunkle Wolken auf. Wir spassten noch, dass es sicher noch Regnen würde - aber das war ja kaum möglich, denn wir befanden uns ja schliesslich in der trockensten Wüste der Welt, aber dazu etwas später.

 

Zuerst haben wir einen Aussichtspunkt besucht, von wo aus man einen super Panoramablick über das Tal des Mondes hatte. Im Tal des Todes angekommen, hiess es Schuhe enger schnüren und los gings auf einen zwei kilometerkurzen Spaziergang durch sandige und steinige Wüste. Wir stampfen uns unseren Weg hoch, wo wir eine schöne Sicht auf das Tal des Todes hatten, welches eigentlich Mars Tal heissen würde, da es eine marsähnliche Landschaft ist. Der Entdecker und Namensgeber konnte aber nicht so gut Spanisch, so das aus Valle de Martes, Valle de la Muerte wurde.

Mittlerweile war der ganze Himmel dunkel bis schwarz. Es wurde rasch kühler und der Wind wirbelte den Sand auf – ein halber Sandsturm zog auf. Es fühlte sich an wie ein Ganz-Körper-Peeling. Der Sand peitschte uns ins Gesicht, in die Ohren, die Augen, den Mund (yummy), einfach in jede Ritze. Als wir uns aber dann auf dem höchsten Punkt befanden, wurden wir dafür mit einem super Rundumblick belohnt.

 

Aber das Beste kommt ja aber bekanntlich zum Schluss. Den Weg runter gingen wir über eine riesige Sanddüne. Unser Guide meinte nur: «Da gehts runter, der kleine weisse Punkt da unten ist unser Bus. Tobt euch aus! Rennt, hüpft oder rollt euch den Berg runter! Wir sehen uns unten, viel Spass!» Er rannte den steilen Abhang hinunter wie von einer Wespe gestochen und alle schauten ihm mit offenem Mund hinterher. Wir tasteten uns zuerst langsam voran, doch schnell stellten wir fest, dass es mit Tempo viel mehr Spass machte und zudem einfacher war, da man sonst bei jedem Schritt knietief im Sand versank. Es war wirklich ein Spass und wo vorher noch kein Sand war, da war er spätestens jetzt. Unten angekommen musste man erstmal die Schuhe ausgeziehen und den Sand ausleeren. Dabei begann es nun im Hintergrund heftig zu Donnern und vereinzelt waren Blitze am Himmel zu sehen. Aber regnen sollte es in der trockensten Wüste der Welt ja eigentlich nicht.

 

So fuhren wir mit dem Bus zum Tal des Mondes, wo wir uns noch einige Felsformationen, Höhlen und den Sonnenuntergang ansehen wollten. Am Parkeingang angekommen war erstmal Pinkelpause angesagt. Als alle wieder beim Bus waren, wird jedoch gerade die Strasse in den Park gesperrt. Was war geschehen...? Natürlich, im Tal des Mondes hat es zu regnen begonnen. Wir hörten wohl nicht recht, war denn dass die Möglichkeit?! Wir warteten noch ca. eine Stunde vor dem Eingang - vielleicht geschehen ja noch Wunder. Plan B fiel leider noch tiefer ins Wasser – denn die Wolken in die andere Richtung waren noch einen Hauch dunkler und man konnte von Weitem sehen, wie der Regen in Strömen fiel. Beim Parkeingang regnete es zwar nicht aber wohl weiter hinten im Tal und auch nur ein kleines bisschen Regen fliesst hier nicht ab und kann Chaos verbreiten. Die Strassen werden schnell seifig und rutschig. Die Parkranger waren mittlerweile dabei mit ihren 4x4 Jeeps unzählige Touristen auf Mountainbikes aus dem Park zu holen. Spätestens jetzt wussten auch wir, dass wir da nicht mehr reinkommen würden. Es regnet zwar nicht stark aber mittlerweile grossflächig, auch in San Pedro de Atacama. Die Tour wurde abgebrochen und zurück im Büro der Agentur erhielten wir doch immerhin 50% der Kosten zurückerstattet, womit wir eigentlich nicht gerechnet hatten (aber Joli sagt immer: «Fragen kostet nichts!»). Mit dem Geld gönnten wir uns eine Pizza. Und was für eine! Wir haben selten eine so leckere Pizza serviert bekommen, die Beste bislang in Südamerika (und Joli meinte, diese Pizza toppe sogar die meisten die wir in Europa hatten). Der Sonnenuntergang ist uns leider an diesem Tag entgangen, aber die Sanddünenhüpferei wars trotzdem wert.

 

Auf der Tour am nächsten Tag trafen wir dann auf Touristen, welche sich inmitten des Gewitters im Tal des Mondes befunden hatten. Sie zeigten uns Fotos worauf ihre langen Haare, aufgrund der Elektrizität, welche in der Luft lag, zu Berge standen. Die Luft war aufgrund des Gewitters und der Blitze scheinbar so mit Elektrizität geladen gewesen, dass man die Leute wegen der Blitze und nicht wegen des Regens rausgeholt hatte. Dies ist scheinbar neu (das der Park bei Gewitter schliesst), weil sich vor nicht allzu langer Zeit ein Tourist die Beine verbrannte, als ein Blitz in die Sanddüne einschlug, auf welcher er gestanden hatte. Wir fanden zwar die Fotos mit den schwebenden Haaren echt faszinierend, waren dann aber doch froh, dass wir selber nicht dort waren.

Plan A fällt leider ins Wasser!

Plan B ist schon unter Wasser...


Lagunas Altiplánicas

Am dritten Tag, früh morgens um 7 wurden wir abgeholt. Heute ging es zwecks Akklimatisation in die Höhe, auf bis zu 4600 Meter. Unseren ersten Stopp machten wir an der Laguna Chaxa, einem kleinen Salzsee mit (bis zu) drei Arten von Flamingos, welche sich dort aufhalten. Leider hatte es aktuell nicht so viele Flamingos hier. Dafür konnten wir einen Flamingo beim Tanzen beobachten. Der chilenische Flamingo wackelt mit den Beinen um den Boden aufzuwirbeln, damit er sein Futter einfacher findet. Für uns sah es aus als würde er tanzen und sich dazu im Kreis drehen. Hier wird auch das Frühstück hergerichtet, köstliches Baguette, Salami, Käse, Butter und Konfitüre wird uns aufgetischt.

 

Die Tour führt uns anschliessend immer höher Richtung Anden, wo wir einen kurzen Stopp in einem Dorf machen um eine Kirche zu besichtigen. Danach geht es auch schon zu einer der Hauptattraktionen - den Piedras Rojas (rote Steine). Kaum beim ersten Aussichtspunkt ausgestiegen beginnt es hier zu schneien und es war bitterkalt. Normalerweise geht man nur zu einem der beiden Aussichtspunkte aber wir hatten drei fotowilde Kolumbianer dabei, die unsere Reiseleiterin fast zur Weissglut trieben, weil sie im Auto ständig aufstanden und umherliefen um ja kein Foto zu verpassen, so dass wir beide besuchten. Besser wurde es mit den drei Hobbyfotografen dann aber trotzdem nicht. Sie machten eine waghalsige Aktion nach der anderen immer mit der Aussage: «Wir haben ja eine Reiseversicherung!». Ja toll aber wenn diese «Dumpfbacken» (eines von Beni’s Lieblingswörtern hier), dann im Auto rumfliegen verletzen sie unter Umständen auch andere Mitreisende. Oder wenn sie irgendwo abstürzen, muss die ganze Gruppe die Tour abbrechen, man kann sie ja schliesslich nicht einfach liegen lassen. Aber Voraus- und mitdenken ist leider nicht jedem gegeben.

 

Zurück zu den roten Steinen. Bis vor kurzem konnte man noch über diese Steine laufen und sich dort setzen und die Natur geniessen. Aktuell können diese roten ballförmigen Steine und die Lagune aber nur noch aus der Ferne begutachtet werden. Vor rund zwei Monaten hat sich hier ein brasilianischer Kite Surfer auf dem See verbotenerweise ausgetobt, was nicht nur aufgrund des Naturschutzes verboten ist, sondern für ihn auch lebensgefährlich war, denn das Wasser ist eisig kalt und voller konzentrierter Mineralien – sein Tod wäre entsprechend auch sehr schlecht für das Image von San Pedro gewesen. Zudem wusste eine Gruppe Leute nichts Besseres zu tun als in die Steine Graffitis und Namen zu ritzen. Da haben die Indigenos der Region den Riegel geschoben und seither lässt man niemanden mehr in die Nähe dieses Naturspektakels. Einfach traurig und schade, dass der Mensch seinen Fussabdruck überall auf der Welt so gnadenlos auf Kosten der Schönheit der Natur hinterlassen muss. Ein weiteres gutes Beispiel dafür, worüber sich Beni immer wieder ärgert, sind die aufeinandergestapelten Steinhaufen / Formationen, welche auch überall zu sehen sind.

 

Auf dem Weg zum letzten Stopp halten wir in einer kleinen geheimen Felsenbucht zum Mittagessen. Geheim deshalb, weil scheinbar nur dieser Fahrer über diesen Ort Bescheid weiss – entweder war Joli bei Ihrer letzten Reise auch mit diesem Fahrer unterwegs oder er ist doch nicht der einzige der diesen Platz kennt – was wohl wahrscheinlicher ist. Offenbar ist dies auch der Umschlagsort des lokalen Drogenhandels (bei Nacht) – lauschiges Plätzchen. Hier gibt es ein liebevoll zubereitetes Buffet mit verschiedenen Salaten - sehr lecker. Mittlerweile ist es wieder durchwegs bewölkt und kalt geworden. Macht aber nichts, es verleiht dem ganzen etwas magisches und macht die Landschaft irgendwie noch wilder. Wäre ja auch langweilig immer nur diese Fotos mit strahlend blauem Himmel zu zeigen.

 

Unser Weg durch die Anden führt uns vorbei an einigen schneebedeckten Vulkanen, welche zu ihren Füssen grüne und gelbe Wiesen sowie rote Steinformationen beherbergen. Bei den Lagunen, welche dem Ausflug den Namen geben, machen wir einen kleinen Spaziergang und machen uns danach auf den Rückweg. Die Höhe ist wirklich nicht zu unterschätzen, auf dem Rückweg ist bereits mehr als die Hälfte der Gruppe eingeschlafen. Benjoli jedoch hält sich tapfer wach. Clever wie wir sind haben wir uns zuvor mit Koka Bonbons und Koka Blättern eingedeckt, welche wir schon den ganzen Tag lutschen und kauten. Das Zeug hält ein bisschen wach und hilft zudem gegen die Symptome der Höhenkrankheit. Wir machten noch zwei Stopps. Einer bei einem Strassenschild und rundherum nichts – daher musste Joli dort erstmal nachfragen was wir uns denn hier anschauen sollen. Das Strassenschild natürlich. Es zeigt, dass hier die Capricorn Linie verläuft. Aha…?!?! Na dann…! Pflichtbewusst machen wir ein Foto mit dem Schild und steigen wieder ein. Noch ein letzter Stopp in einem Dorf, wo aus allerlei unmöglichen Dingen Eiscreme hergestellt wird und dann ab nach Hause. Erschöpft und müde beenden wir den Tag mit einem leckeren Nachtessen und einem Terremoto. Die Restaurants sind hier wirklich spitze. Der Terremoto ist ein chilenischer Drink (unteranderem aus süssem Wein, mit Ananas Eiscreme), welcher übersetzt "Erdbeben" heisst und auch entsprechend einfährt.

 

 

Den letzten Tag in San Pedro wollten wir eigentlich mit einer Wanderung zu abgelegenen Thermalquellen oder einem Ausflug zu einer nicht so touristischen Salzlagune abschliessen, aber leider fanden sich keine anderen Touristen und daher fanden beide Touren nicht statt – so blieben wir halt gemütlich im Dorf und genossen den Tag mit süssem Nichtstun.

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Kommentare: 2
  • #1

    Kusi (Montag, 30 April 2018 20:08)

    ...auso i mues scho säge, mir wär ä füechti Schöni dütlech lieber als ä trochnigi Wüeschti! Merci für öi super-spannende Brichte! Wyter so, immer schön schribe gau! Blybed xung u gniesset die Zyt!

  • #2

    Benjoli (Donnerstag, 03 Mai 2018 21:10)

    Auso Kuslä ;-) Bitte gärn gscheh, üs machts ou Spass üser Erläbnis mit euch aune z teile. Grüessli us La Paz